Winter's Bone von Debra Granik
Inhalt:
Ree Dolly ist siebzehn Jahre alt, versorgt ihre beiden kleineren Geschwister und die psychisch kranke Mutter mit praktisch keinem Geld und verzweifelt langsam, als ihr der Sheriff offeriert, dass ihr Vater, wegen Crystal Meth kochens angeklagt, in wenigen Tagen zu einer Verhandlung muss, aber verschwunden ist und für die Kaution Haus und Land verpfändet hat. Für Mutter und Kinder hieße dies auf den Feldern zu hausen, das letzte bisschen zu verlieren. Da bringt es auch nicht viel, dass Ree mit so ziemlich jedem im Umland irgendwie verwandt ist, denn in der Sippe haben alle Dreck am Stecken und man stellt keine Fragen, erst recht nicht an in der Hierarchie höher Gestellte.
Ree wäre aber keine echte Dolly, gäbe sie so schnell auf und so läuft sie von Haus zu Hütte, stellt ungemütliche Fragen und will doch nur ihren Vater finden tot oder lebendig.
Fazit:
Ich kann mir nicht vorstellen wie man diesen Film nicht mögen könnte, denn Debra Granik realisiert die Verfilmung des gleichnamigen Buches von Daniel Woodrell herrlich unprätentiös, mit einer wunderbaren Kameraarbeit und einer sensationellen Hauptdarstellerin.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Ree, die Siebzehnjährige Tochter von Jessup Dolly, der wie alle in der Sippe und der umliegenden Clans in Drogen macht, bzw. mit höchst Illegalem seinen Unterhalt verdient. Die Clans unterliegen ihren eigenen Gesetzen und eines der wichtigsten Gebote ist: nicht reden, das andere: nicht fragen.
Als Jessup vor seiner nächsten Gerichtsverhandlung verschwindet, erfährt Ree, die mehr oder minder für die Versorgung der Familie sorgt, das Haus und Land an das Kautionsbüro verpfändet wurden und sie alles verlieren, wenn der Vater nicht pünktlich vor Gericht erscheint. So wagt die emanzipierte und couragierte Ree das Unglaubliche: sie geht von Familie zu Familie und stellt die Frage: wo ist mein Vater?
Ree ist dabei sehr pragmatisch und es wird schnell klar, dass es nicht darum geht den Vater lebendig zu finden, sondern zur Not in kleinen Stücken. Ree nimmt dafür alles in Kauf, wird bedroht, geschubst, zusammengeschlagen und findet sich schlussendlich offen und emotionslos mit ihrem Schicksal ab wie es auch sein möge, was ihr den Respekt der Clans, insbesondere der ranghöheren Frauen einbringt.
Dazwischen erleben wir das Mädchen immer wieder dabei wie sie die Verantwortung für die kleineren Geschwister übernimmt, dafür sorgt dass sie zur Schule gehen, Hausaufgaben machen, aber auch kochen und schießen lernen. So muss der kleine Bruder ein Eichhörnchen ausnehmen - that's life in den Wäldern von Missouri.
Wir sehen aber auch die Ree, die zur Armee möchte, ihr Traum dem Umfeld zu entfliehen, aber nun in der Notlage die Möglichkeit die Familie zu versorgen und ihre vernünftige Einsicht doch bei den Kindern zu bleiben, bis sie aus dem Gröbsten heraus sind.
Zu keinem Zeitpunkt hat man das Gefühl, dass die Menschen dort in den Wäldern, oft mit der unmöglichen Bezeichnung White Trash verunglimpft, verurteilt werden. Granik schönt nicht, ist nicht wertend und das macht den Film so sehenswert, weil dadurch der Kampf einer Frau um Hoffnung und Gerechtigkeit in einer archaischen Männerwelt umso mehr herausgestellt wird.
Selten sieht man einen so langsam und doch spannend erzählten Film, düster und die Gefahr zu jedem Zeitpunkt greifbar machend, dabei nie überzogen tragisch seiend.
Ganz großes Kino. Sehr empfehlenswert.
USA 2010 - Regie: Debra Granik - Darsteller: Jennifer Lawrence, John Hawkes, Kevin Breznahan, Dale Dickey, Garret Dillahunt, Sheryl Lee, Lauren Sweetser, Tate Taylor, Isaiah Stone, Ashlee Thompson - FSK: ab 12 - Länge: 100 min.
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So, ich bin zwar total müde, aber durch ein Reststück kalte Pizza, die mir gnädigerweise als Nachthappen übrig gelassen wurde wieder etwas bei Kräften. Die letzten beiden Tage waren so wie man sich Urlaub vorstellt: wenig Schlaf, mehr als 14 Stunden im selben Make Up und Klamotten, only Softdrinks und nichts zwischen den Zähnen, außer der Kehle des vor sich hingrunzenden Sitznachbarn.
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nárritu geht in die vollen, denn es bleibt nicht bei der Schilderung der Ausnutzung der Ärmsten der Armen, sondern wir sehen alles durch die Augen seines Protagonisten, einem Mann, dem auch gar nichts erspart bleibt. Uxbals Ehefrau ist manisch depressiv und nicht mehr in der Lage für sich und die Kinder zu sorgen, darum hat er das alleinige Sorgerecht und kümmert sich liebevoll um die beiden. Kein Leichtes für einen Mann im abgerissenen kleinkriminellen Milieu zwischen Schwarzhandel und Menschenschiebereien. Dazu hat Uxbal eine übersinnliche Gabe mit der er Geld verdient und die ihn sehr belastet, denn die Toten lassen ihn nicht los. Ganz dramatisch wird es dann als der relativ junge Mann auch noch Krebs im fortgeschrittenen Stadium hat und bald sterben wird. Für Uxbal heißt es nun in Windeseile seine Geschäfte in Ordnung zu bringen und die Kinder versorgt zu sehen. Doch er macht einen großen Fehler, was ihn psychisch noch mehr runterzieht.
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