Das Bildnis des Dorian Gray von Oliver Parker

dorian-grayInhalt:
Der Jüngling Dorian Gray kommt nach dem Tod seines Großvaters ins viktorianische London, um im Familiensitz zu leben. Dort lernt er den Künstler Basil Hallward kennen, der sofort von Dorian fasziniert ist und ihn malt. Basil macht Dorian auch mit dem zynischen Lord Wotton bekannt, der sofort damit beginnt Dorian unter seine Fittiche zu nehmen und ihm das "richtige" Leben eintrichtert.
Als Basils Portrait Dorians fertig ist, ist nicht nur ein Meisterwerk entstanden, sondern es wird schnell klar, dass nur dieses Bild Dorians unvergängliche Jugend und Schönheit bewahren kann. Doch Dorian beschwört das Unmögliche: das Bild soll an seiner statt altern.
Jung, schön und praktisch unzerstörbar feiert Dorian seinen Siegeszug durch die Londoner Gesellschaft - Sex, Drogen und Alkohol bestimmen von nun an sein Leben, doch sein dunkles Geheimnis erahnt niemand.

Fazit:
"Das Bildnins des Dorian Gray" ist einer der weniger "Klassiker", die ich in meinem Leben gelesen haben und ich liebe dieses Buch. Nichtsdestotrotz finde ich diese Verfilmung nicht unansehbar.
Erstmal ist der Streifen wirklich gut besetzt. Das Trio Ben Barnes, Ben Chaplin und Colin Firth können nicht wirklich schlecht und besonders Firth als Zyniker und "Verführer" Dorians, der alles daran setzt, dem jungen naiven Schönling seine Marke aufzusetzen und aus ihm das zu machen was er nie werden konnte, ein hochnäsiger, dekadenter Verführer und Lebemann, überzeugt auf ganzer Linie. Zwar nimmt man Ben Barnes schwerlich den verwegenen Dandy ab, doch wirkte er inmitten des, sagen wir, sehr durchschnittlich "schön" besetzten Casts doch ziemlich ansprechend. Keine Schönheiten im "modernen" Sinn, sondern einfache Gesichter, die man sich wirklich gut in der viktorianischen Zeit vorstellen kann bestimmten die High Society, in der sich Gray bewegte und in der er, so jung und schön wie er war, auch nur für diese Eigenschaften begehrt wurde.  
Des Weiteren arbeitet der Film die Themen des Buches: Narzissmus, die Gier nach Jugend und Schönheit sowie die Dekadenz und der Hedonismus der britischen Oberschicht des viktorianischen England massenkompatibel auf. Kein buchtreues Zitatekino wie Branaghs "Hamlet", sondern eine formschöne, düstere Mähr, die uns die grundlegenden Inhalte in einprägsamer Weise darbietet - ist durchaus legitim und immerhin ein netter Versuch.
Die Kulissen sind sehr pappig und die Geschichte wirkt an manchen Stellen regelrecht abgehackt, dass man sich fragt wie viel Zeit nun gerade vergangen sein mag. Scheinbar konzentriert sich der Film dann auf die "frühe" Phase in England, in der Dorian seine Lustbarkeiten entdeckt und voll auslebt. Dann verlässt er plötzlich gelangweilt das Land uns kehrt nach 25 Jahren (wenigen Minuten) noch immer jung und schön zurück, versetzt alle in Staunen, ist aber voller Selbstzweifel. Was sollte das? Gut, hier wird ganz frei erzählt und man muss nach zwei Stunden ja auch irgendwie zu Potte kommen. Wie erwähnt die zeitlichen Abläufe sind hier etwas verwirrend.
Eine unnötige Übertreibung ist das "lebende" Bildnis. Ok, Würmer dürfen von mir aus krabbeln, aber musste es grunzen?
Ich sehe, ich fange auch an den Film zu zerpflücken, dennoch ist es kein schlechter Streifen, schon weil es einfach ne tolle Geschichte ist. Von daher…
7-10

Großbritannien 2009 - Originaltitel: Dorian Gray - Regie: Oliver Parker - Darsteller: Ben Barnes, Colin Firth, Ben Chaplin, Rebecca Hall, Fiona Shaw, Emilia Fox, Rachel Hurd-Wood, Douglas Henshall, Caroline Goodall -  FSK: ab 16 - Länge: 112 min.